Hangouts on Air: Live-Fernsehen von allen für alle

Google ermöglicht jedem, Live-Fernsehen zu produzieren

Vor einigen Monaten hat Google sein soziales Netzwerk Google+ mit der Funktionalität Hangouts on Air so erweitert, dass jeder Google-Benutzer ein Live-TV-Programm ins Internet ausstrahlen kann. Mit einer Webcam und wenigen Mausklicks kann man live eine globale Zuschauerschaft erreichen.

Der Video-Stream lässt sich auch auf einer beliebigen Website einbetten und findet damit im eigenen “gebrandeten” Umfeld statt. Ein Nutzer kann also zum Beispiel auf seinem eigenen Blog eine tägliche Koch-Show aus der heimischen Küche ausstrahlen.

Eine Aufzeichnung der Sendung wird auf YouTube gespeichert und steht für den späteren Konsum zur Verfügung. So kann das Event unter einer permanenten Adresse erreicht werden und kann zum Beispiel in sozialen Netzwerken viral verbreitet werden.

Die Revolution bleibt noch weitgehend unbemerkt

Es verwundert, dass in der Medienbranche Hangouts on Air bisher weitgehend unbekannt ist und nur sehr wenig über dieses Feature gesprochen wird. Es bringt eine radikale Veränderung der Marktverhältnisse mit sich: Jeder kann jetzt Live-Fernsehen mit einer technischen Reichweite von etwa zwei Milliarden Internet-Nutzern zu Kosten von praktisch Null veranstalten.

Es war eine Sensation, als vor gut vierzig Jahren Elvis’ legendäres Konzert “Aloha from Hawaii” per Satellit übertragen wurde. Noch vor fünf Jahren brauchte man ein Team von zig Experten, zahllose Kooperationen und Genehmigungen und Equipment für eine sechsstellige Summe, um bewegte Bilder einer großen Masse von Zuschauern live zur Verfügung zu stellen. Heute ist jede Hobby-Band in zumindest einer Beziehung so groß wie Elvis: Sie kann mit wenigen Klicks ihre Konzerte global ausstrahlen.

Satellite Dish (Source: Gerard Evison)

Neue Live-Formate werden entstehen

Das auch nur acht Jahre alte YouTube hat globale Stars und Channels mit vielen Millionen Abonnenten hervorgebracht (siehe z. B. YouTube’s Most Subscribed Channels). Unter den dort verfügbaren Millionen von Videos, die die Welt nicht braucht, gibt es doch auch gigantische Mengen von hochwertigem oder zumindest für viele Menschen relevantem Content. Die klassischen Medienanbieter kämpfen nun mit der gigantischen Konkurrenz von täglich vier Milliarden YouTube-Videos um die Aufmerksamkeit der Zuschauer und damit die Gelder der Werbungtreibenden.

Es fällt nicht schwer, sich auszumalen, dass sich tausende kreative Menschen finden werden, die Hangouts on Air für ihren eigenen Live-Kanal nutzen, Millionen Zuschauer finden und auch hier zu Stars aufsteigen werden. User-generated Content setzt mit dem Live-Fernsehen eine der letzten Bastionen der traditionellen Medien unter Druck.

Strategische Einschätzung ist angebracht

Jedes (Medien-)Unternehmen sollte analysieren, welche Auswirkungen die neuen Verhältnisse auf sein Geschäftsmodell haben und welche Risiken sie bergen. Noch interessanter jedoch ist die Frage: Welche Chancen entstehen für meine Marke, wenn ich jetzt günstig und schnell Live-Bilder produzieren und weltweit ausstrahlen kann?

Image source: Gerard Evison on Flickr

Google kann mit Android die Welt von Zensur befreien

Jetzt ist die Zeit für den entscheidenen nächsten Schritt

Google und Twitter haben in einer gemeinsamen Aktion den protestierenden Ägyptern eine Möglichkeit gegeben, um per Festnetz-Telefon zu twittern. Man kann jetzt mehrere Telefonnummern anrufen und mit normaler Sprache seinen Tweet diktieren. Er wird dann maschinell in geschriebenen Text umgewandelt und per Twitter abgesetzt, so dass er die ganze Welt erreicht, auch wenn Mobilfunk und Internet im Land abgeschaltet sind. Sehr clever. Und sehr gut – gerade auch im Sinne von Googles Firmenmotto “Don’t be evil”.

Google sollte mit seiner Unterstützung des Menschenrechts auf freie Meinungsäußerung jetzt einen Schritt weiter gehen, indem es eine Internet-Routing-Funktion standardmäßig in sein Android-Betriebssystem für Mobiltelefone einbaut.

Vor einiger Zeit habe ich beschrieben, wie man aus Mobiltelefonen ein unabhängiges Parallel-Internet in Staaten mit Zensur aufbauen kann. Kurz zusammengefasst war der Grundgedanke, dass jedes Handy als sogenannter Router fungiert und Datenpakete für andere weiterleitet.

Damit wird erstens ermöglicht, dass eine Gruppe von Menschen im Land ungestört und sicher kommunizieren kann, ohne von staatlich kontrollierten Leitungen abhängig zu sein. Zweitens kann eine Kommunikation für alle ins freie Internet gelingen, wenn auch nur ein einziges beteiligtes Gerät Zugang dazu hat. Das könnte zum Beispiel über eine Satelliten-Verbindung in einer Botschaft oder über eine Landesgrenze hinweg sein.

Dass die dazu nötige Technologie kein Hirngespinst ist, sieht man daran, dass bereits heute alle modernen Android-Handys als WLAN-Zugangspunkt dienen können und somit schon eine begrenzte Form der Datenweiterleitung (Routing) beherrschen. Außerdem gibt es einige Projekte, die in eine solche Richtung zielen. (Schön zusammengestellt von Readwriteweb.com hier und hier. Außerdem ein etwas verspieltes Projekt mit ernstem Hintergrund: Pirate-Box)

Android hat bei den neu ausgelieferten Handys bereits heute einen Marktanteil von über 30 Prozent, Tendenz steigend. Wenn die Routing-Funktionalität standardmäßig in Android eingebaut würde, hätten bald in jedem Land der Welt genügend Menschen ein Telefon, mit dem man per Knopfdruck ein freies Parallelnetz aufbauen kann.  Internet-Zensur hätte dann keine Chance mehr.

Google, let’s not only be unevil. Be good!

P. S. Grundsätzlich könnten alle Smartphones mit WLAN-Adapter die oben beschriebenen Funktionen übernehmen. Google ist mit Android unter den Großen der Branche aber der Einzige, der aus meiner Sicht momentan in der Verfassung ist, einen solchen Schritt zu gehen.

Total umsonst

Als ich heute Morgen mit einem Stapel Altpapier unterm Arm das Haus verließ, dachte ich mir: “Schau besser noch mal in den Briefkasten. Bestimmt kannst du da gleich noch was mitnehmen.” Klar, da waren dann auch wieder ein Katalog, die kostenlose Zeitung und das IHK-Magazin als Kandidaten für den Altpapier-Container drin. Wem geht es nicht so?

Auf dem Weg fiel mir dann auf, welchen Irrsinn ich seit Jahren als völlig normalen Teil meines Lebens akzeptiert habe: Erst denken sich zahllose Menschen diese ganzen Publikationen, Texte, Bilder und Adressdatenbanken aus. Dann werden Bäume gefällt. Dann wird Papier hergestellt und quer durch Europa in die Druckerei transportiert, um dort von Riesenmaschinen mit Chemikalien bedruckt zu werden. Das Ganze wird dann durch halb Deutschland gekarrt, um direkt in meinen Briefkasten geliefert zu werden. Und sobald ich es dort finde, werfe ich es umgehend auf den Müll.

Was für eine gigantische Verschwendung! Eine Verschwendung von Energie, Natur, Kreativität, Arbeitskraft und wertvoller Lebenszeit!

Den größten Teil dieses Irrsinns könnten wir vermutlich einfach sein lassen. Wir würden damit gigantische Effizienzgewinne erzielen, ohne dass unsere Lebensqualität durch diesen “Verzicht” auch nur ein bisschen leidet. Im Gegenteil: Ich gewinne Zeit, weil ich nicht mehr so oft zum Container laufen muss. Und viele Menschen in der obigen “Wert”schöpfungskette könnten mit ihrem Leben und ihren Ideen sinnvollere Dinge anfangen.

Und den verbleibenden Teil werden wir zukünftig mehr und mehr auf intelligente Weise und wesentlich Ressourcen schonender über digitale Medien abwickeln: Keine toten Bäume, keine Chemikalien, keine tonnenschweren LKW aber dafür ziemlich zielgenaue Werbung. Oder ist es eher “Kommunikation”, wenn die Botschaft tatsächlich ankommt?

Mangelnde Integrationsbereitschaft

Wie kommt es eigentlich, dass wir problemlos mit einer italienischen Speisekarte mitten in Rom zurechtkommen, ohne jemals italienischen Sprachunterricht genommen zu haben? Offenbar haben wir uns für die italienischen Einwanderer und ihre Küche – und damit für ihre Kultur – interessiert. Mancher fände es merkwürdig, wenn er beim Italiener um die Ecke nicht mit “Buona sera”, sondern mit “Guten Abend” begrüßt würde. Es geht ja sogar so weit, dass einige einen “Kaffee” oder “Nudeln” verschmähen würden. Es muss “Cappuccino” oder “Pasta” sein. Und noch andere übertreiben es und bestellen im Café “Zwei Espressis”.
Ähnlich verhält es sich mit der Kultur der spanischen und französischen Mitbürger. Fast jeder halbwegs gebildete Deutsche verfügt über einen kleinen Wortschatz auf Französisch, Spanisch oder Italienisch, obwohl sich für die wenigsten daraus ein direkter beruflicher Nutzen ergibt.
Aber warum kann man das nicht über die Akzeptanz der türkischen Kultur sagen? Und das, obwohl Einwanderer mit türkischem Hintergrund den weitaus größten Anteil an allen Migranten haben? Liegt das nur an deren mangelnden Integrationsbemühungen? Oder fehlt(e) uns Deutschen vielleicht auch der gute Wille oder der Mut, auch diese noch etwas fremdartigere Kultur auszuprobieren und in unseren Alltag zu lassen?
Ich selbst beherrsche nur einen einzigen türkischen Ausdruck: “Merhaba”. Ich glaube, das heißt “Hallo!”. Und die meisten in meinem persönlichen Umfeld nicht einmal das. Das ist doch beschämend für uns als “aufnehmende Kultur”. Mehrere Millionen Menschen mit türkischem Hintergrund leben Tür an Tür mit uns, und wir können nicht mal “Wie geht’s?” oder “Tschüss!” in deren Muttersprache sagen.
Es ist sicher unstrittig, dass sich die Minderheit eher der Mehrheit anpassen sollte. Aber kann Integration nicht nur dann erfolgreich sein, wenn sich die “schon Integrierten” ein bisschen dafür interessieren, wo die Integrationswilligen herkommen? Kann man nicht nur mit diesem Wissen fähig und bereit sein, Missverständnisse auf dem steinigen Integrationsweg als solche zu erkennen und auszuräumen?
Naja, ich bestelle mir jetzt erstmal ein türkisches Kochbuch …

Handys und dezentrale Netze – Das Ende der Internet-Zensur?

Bereits heute sind das Internet und Handys wichtige Kommunikationsmittel für Demokratiebewegungen weltweit. Jetzt fehlt noch die richtige Technologie, um zentrale Zugangskontrollen und Zensur effektiv zu umgehen. Mit Smartphones und neuen Breitband-Mobilfunknetzen steht nun die Grundlage dafür bereit.

Internet, Demokratie und die Zensur an zentraler Stelle

Digitale Technologie und insbesondere das Internet entwickeln sich in vielen Weltregionen zu Werkzeugen der Freiheit. Über die Rolle von Mobiltelefonen und Web-Diensten wie Twitter bei den Unruhen rund um die Wahl im Iran im letzten Jahr wurde viel berichtet. Aber selbst in Nordkorea, einem der isoliertesten Länder der Welt, dienen geschmuggelte Handys als Kommunikationskanal in den demokratischen Süden, da man mit ihnen über die Grenze nach China telefonieren kann.

Das Hauptproblem für freie Kommunikation im Internet ist, dass heute immer an mindestens einer Stelle zentral organisierte Bestandteile der Netz-Infrastruktur genutzt werden müssen. Das können eine Hauptleitung, ein großer Mobilfunkbetreiber oder auch ein zentraler Zugangsrechner (ein so genannter Proxy) sein, mit dem der Datenstrom zwischengespeichert und gefiltert werden kann.

Diese zentralen Bestandteile der Informations-Infrastruktur lassen sich von einem repressiven Regime relativ leicht kontrollieren. Gerade jetzt hat es die Suchmaschine Google getroffen, die sich nun aus China zurückzieht, weil sie sich der Forderung der chinesischen Regierung nach Selbstzensur nicht länger beugen will.

Demokratie-Export per Internet und der aktuelle Stand der Technik

Die US-Außenministerin Hillary Clinton hat kürzlich in einer Rede „Remarks on Internet Freedom“ das Interesse der US-Regierung bekundet, über das Internet politische Reformen in repressiven Staaten voranzutreiben. Hierzu sollen unter anderem Initiativen und Technologien gefördert werden, mit deren Hilfe man Internet-Zensur umgehen kann.

Ethan Zuckerman nimmt dies zum Anlass und beschreibt in seinem sehr informativen Artikel den Stand der Technik und der politischen Maßnahmen zur Umgehung von Internet-Zensur. Er kommt zu dem Schluss, dass viele der heutigen technischen Lösungen nicht geeignet sind, um gerade in großen Staaten wie China oder dem Iran allen Menschen einen uneingeschränkten Zugang zum Internet zu ermöglichen. Dies liege vor allem daran, dass sie alle darauf beruhten, die Zugriffe zum Beispiel aus China über außerhalb des Landes stehende Rechner umzuleiten. Diese Proxys sind wiederum zentrale Knoten im Netz. Das ist mit einigen Problemen behaftet und hat einen nachhaltigen Betrieb im großen Stil bislang stark behindert. Erstens stellen sie zentrale Angriffspunkte zur Filterung dar. Zweitens wären sie alleine wegen der Datenmenge sehr teuer im Betrieb, wenn darüber eine Milliarde Chinesen Videos auf YouTube schauen wollten. Und drittens können sie nicht nur für den gedachten Zweck der Zensur-Umgehung genutzt werden, sondern auch von E-Mail-Spammern, zum Porno-Konsum oder von Jugendlichen, deren Schule den Zugriff auf YouTube vom Schulrechner aus verbietet.

Kurzum: Die heutige Organisation des Internets um zentrale Knotenpunkte und Datenleitungen herum stellt ein wesentliches Problem bei einer Nutzung für freiheitliche Zwecke in totalitären Staaten dar. Zuckerman schlägt deshalb vor, nicht nur auf technische Systeme zur Umgehung von Zensur zu setzen, sondern diese verstärkt auch durch politische Maßnahmen zu begleiten.

Zurück zu den Wurzeln und dennoch weit nach vorne mit Mobiltechnologie

Wenn jedoch zentrale Organisation Kern des Problems ist, dann lasst uns doch das Internet wieder mehr dezentral organisieren. Lasst uns das Internet wieder näher an seine organisatorischen Wurzeln als Netz von gleichrangigen Knoten (Peers) heranführen. Die zunehmende Verbreitung von kabellosen Breitbandnetzen (UMTS, WLAN/WiFi, etc.), die leistungsstarke Rechner (Smartphones) direkt miteinander verbinden könnten, macht dies möglich. Bald könnte man mit den oben erwähnten Handys in Nordkorea nicht nur Telefonate, sondern auch Internet-Daten über die Grenze hinweg mit dem Rest der Welt austauschen.
Wenn es der amerikanischen Regierung ernst ist, sollte sie die Entwicklung von Peer-to-peer-Technologien fördern, mit denen sich ein dezentral organisiertes Netzwerk aufbauen lässt, dessen Datenströme nicht auf zentrale Infrastrukturelemente angewiesen sind. Wenn die Datenroute ins freie Internet über jedes verfügbare mobile Endgerät führen könnte, dann wird es praktisch unmöglich, den Zugang zum freien Internet zu kappen.
Ein drahtloses, dezentral organisiertes Peer-to-peer-Netzwerk beruht mindestens auf folgenden drei Prinzipien:

  1. Handys können drahtlos direkt miteinander kommunizieren. Also von Handy zu Handy und nicht nur etwa über einen WLAN-Router oder den UMTS-Sendemast.
  2. Handys leiten Datenpakete, die für andere Empfänger bestimmt sind, weiter. Sie senden und empfangen also nicht nur diejenigen Pakete, deren erster Absender oder letzter Empfänger sie sind.
  3. Es gibt einen dezentral funktionierenden Routing-Algorithmus, der die Datenpakete in einem sich ständig verändernden Netz effizient auf Basis von (1) und (2) ans Ziel bringt.

Diese drei Prinzipien sind eng angelehnt daran, wie das Internet heute im nicht-mobilen Bereich, also mit stationären, verkabelten Rechnern funktioniert und sollten sich deshalb grundsätzlich für drahtlose Übertragungstechnologien adaptieren lassen.

Die Abbildung zeigt, wie das aussehen könnte (Beschreibung unten):

Nehmen wir an, der Nutzer des blauen Handys lebt in Kontrollistan, wo das Regime die Nutzung des Internets reglementiert. Er kann heute (linke Seite) schon prima mit seinen Verwandten E-Mails innerhalb des Landes über gutes Wetter austauschen. Er kann auch sein Rezepte-Blog auf Server 1 veröffentlichen. Und er informiert sich auch jeden Tag auf Server 2 im Internet über das Wetter in Hamburg, denn dort lebt seine Schwester. Sobald er jedoch auf Server 1 ein regimekritisches Rezept für seine Dissidenten-Freunde veröffentlichen möchte, wird sein und deren Zugang zum Server blockiert. Und wenn er das Wetter im verfeindeten Washington abrufen will, so verwehrt man ihm den Zugriff zum freien Internet.

Gäbe es eine Technologie, welche die zentrale Netz-Infrastruktur umgeht, indem die Daten über mehrere mobile Endgeräte geleitet werden (rechte Seite der Abbildung), so könnte die Regierung von Kontrollistan den Zugriff auf die Server 1 und 2 nicht mehr unterdrücken. Das regimekritische Rezept könnte veröffentlicht werden. Und das Wetter in Washington bliebe für die Bewohner Kontrollistans kein Geheimnis mehr, sofern auf beiden Seiten der Grenze Handys existieren, die direkt miteinander Daten austauschen können.

Der Regierung bliebe nur das Totalverbot von Handys, was zum sofortigen Volksaufstand führen würde, falls die Kontrollistanis ihre Handys auch nur halb soviel lieben wie der Rest der Welt.

Für eine erfolgreiche Realisierung der hier skizzierten Lösung müssen noch einige Klippen aus der heute vorherrschend zentralistisch organisierten Mobilfunk-Welt umschifft werden. Und eine um ein dezentrales Element ergänzte Mobilfunk-Infrastruktur böte auch für normale, nicht-politische Anwendungen interessante Vorteile. Darüber vielleicht mehr in einem späteren Blog-Eintrag oder möglicherweise auch schon hier in den Kommentaren.

Wir sind jetzt in der Verantwortung

Real futurists have children.

(dt. Echte Zukunftsforscher haben Kinder.)

Dieses Zitat von Bruce Sterling twitterte Tim O’Reilly kurz nach der Geburt unserer Tochter vor drei Wochen. (Dieses Ereignis, also die Geburt, nicht das Zitat, erklärt die Funkstille auf diesen Seiten.)

Und tatsächlich: Auch wenn ich hoffe, das Jahr 2050 zu erleben, so war der Gedanke daran bislang immer merkwürdig abstrakt. Jetzt gibt es in meinem Leben einen sehr wichtigen Menschen, der im Jahr 2050 mitten im Leben steht und dessen Lebensglück davon abhängt, wie die Welt dann aussieht. Und wenn meine Tochter einmal Kinder haben sollte, so wird sie sie genau um dieses „abstrakte“ Datum beschützend durch deren Kindheit bringen. Und wenn ich daran denke, dass das dann ja meine eigenen Enkel wären, so erhält auch das Jahr 2100 plötzlich eine völlig neue Bedeutung …

Kurzum, was ich schon lange weiß, begreife ich nun: Wir sind jetzt in der Verantwortung.

Unsere Großelterngeneration hat es bei der Umweltverschmutzung nicht besser gewusst, die Ressourcen des Planeten schienen unendlich, Kolonialismus war „normal“. Sie haben das „Wachstum“ auf Kosten der Umwelt und des globalen Südens zwar nicht „unschuldig“ aber doch mehr oder weniger unbewusst vorangetrieben.

Unsere Elterngeneration hat das Spiel jedoch mit immer größerer Beschleunigung und ohne Rücksicht auf Verluste weiter getrieben. Und sie hätten es wissen können. Der „Club of Rome“ hat seinen ersten Bericht im Jahr 1972 veröffentlicht. Sie haben mindestens drei Jahrzehnte lang die Probleme einfach ignoriert oder klein geredet. Und wir Kinder in der westlichen Welt haben damit natürlich auch prächtig gelebt.

Wir haben uns von der Erde und unseren Kindern massiven Vorschuss geben lassen. Wir werden es zwar nicht schaffen, diese Schulden komplett zurück zu zahlen, bevor unsere Kinder auf dem Raumschiff Erde das Ruder übernehmen. Aber wir müssen alles tun, um sie so weit wie möglich zu begrenzen.

Wir müssen die neuen mächtigen Technologien, die wir in Zeiten des scheinbaren Überflusses entwickelt haben, jetzt dazu nutzen, neue Werkzeuge, neue Organisationsformen und ein neues globales Bewusstsein zu entwickeln. Dann haben die nachfolgenden Generationen vielleicht eine Chance, den Planeten in ökologischer wie gesellschaftlicher Sicht wieder in einen nachhaltig stabilen und für alle Menschen befriedigenden Zustand zu versetzen.

Three Essential Articles on the
Power of Networking the World

This blog is about how networking the the world creates new value and ubiquitous opportunities for all.

These three articles provide a perfect introduction into the topic:

Digitalisierung und Effizienz – Grosser Spaß zum kleinen Preis

Die Digitalisierung und mit ihr die Vernetzung der Welt lassen Ideen, Kultur und Innovation eine völlig neue Tragweite zukommen. In den früheren Blog-Einträgen (z. B. hier und hier) wird beschrieben, wie dadurch neuer Wert geschaffen wird, von dem wir alle profitieren, mit dem aber niemand rechnet.

In der vernetzten Welt entsteht aber natürlich nicht nur dieser „neue“ Wert auf sehr effiziente Weise. Auch „alter“ Wert, also Leistungen die es schon immer gab, werden durch die Digitalisierung wesentlich effizienter erbracht.

Sehr plastisch zeigt das die Musikindustrie. Innerhalb weniger Jahre sind dort ganze Stufen in der Wertschöpfungskette einfach weggefallen, ohne dass das unseren Musikgenuss geschmälert hätte.

Früher brauchte man auf dem Weg von den Musikern (Komponisten, Sänger, usw.) bis zum Hörer noch Produzenten, Musikverlage, CD-Rohling-Hersteller, CD-Presswerke, CD-Transportlogistik, CD-Großhandel und den CD-Einzelhandel. Es ist leicht vorstellbar, wie viele Menschen, Stahl, Erdöl, Maschinen, LKW, Quadratmeter-Regalfläche nötig waren, um all diese Schritte zu durchlaufen. Und das alles nur, um ein aufgezeichnetes Musikstück zum Konsumenten zu bringen.

Das fällt heute dank digitaler Aufnahme  und MP3-Download alles weg. Und trotzdem kommt am Ende die Musik bei unseren Ohren an. Und zwar in einer Vielfalt und mit einer Einfachheit, die heute niemand mehr missen möchte. (Wer will schon zum Walkman mit all seinen Beschränkungen zurück? In England hat das gerade ein 13-Jähriger ausprobiert – sein Urteil über die Usability des Walkman liest sich ziemlich eindeutig.)

Insgesamt also viel weniger Ressourcenverbrauch, damit auch weniger gemessene Wirtschaftsleistung (BIP), aber am Ende mindestens das gleiche Ergebnis, nämlich: Musik hören.

Am Beispiel von Michael Jackson hat Umair Haque kürzlich vorgerechnet, dass gigantische Summen in diesem Riesensystem der Musikindustrie so versandet sein müssen, dass die Künstler letztlich nur wenig von ihrer Arbeit hatten. Laut Presseberichten hat der „King of Pop“ seit Anfang der 80er-Jahre etwa 300 Millionen US-Dollar an Tantiemen aus dem Verkauf seiner Tonträger erhalten. Über einen Zeitraum von 25 Jahren, so rechnet Haque vor, macht das gerade einmal 12 Millionen Dollar pro Jahr – für den größten Künstler der 80er und 90er Jahre wohlgemerkt. Haque fragt zu Recht, wo denn die restlichen Milliarden aus dem Verkauf von CDs und Schallplatten geblieben seien. Und wie war das für all die Musiker, die keinen Megastar-Status hatten?

Ähnliches geschieht in anderen Branchen.

Digitalfotografie – wer möchte schon heute noch ein Fotolabor betreiben?

Oder im Journalismus. Der digitale Vertrieb journalistischer Erzeugnisse macht so viele Produktionsstufen überflüssig. Man kann sich leicht vorstellen, was alles passieren muss, um einen in Finnland getöteten Baum zu Papier zu verarbeiten, das dann bedruckt als Zeitung zum Leser in Deutschland kommt und schließlich wieder als Altpapier entsorgt werden muss. Wieder: Arbeitskraft, Stahl, Erdöl, Chemie … Auch hier hat man mit wesentlich weniger Ressourcenverbrauch in der digitalen Welt am Ende das gleiche Ergebnis: Ein Journalist schreibt seine Gedanken auf, und jemand anderes liest sie. Viel weniger Input, aber der gleiche Output.

Im Grundsatz ist das alles nicht wirklich neu. Schon immer haben Innovationen zu mehr Effizienz geführt: Rad, Dampfmaschine, Fließband, Container-Logistik, etc. Auch diese Innovationen haben isoliert betrachtet zu einem Rückgang der Wirtschaftsleistung geführt. Gleichzeitig wurden sie aber auch immer dazu genutzt, um immer mehr Output zu generieren, so dass sich im Saldo ein Wirtschaftswachstum ergab.

Es gibt heute mindestens einen wesentlichen Unterschied.

Viele Innovationen der Vergangenheit bezogen sich auf die materielle Welt. Sie führten meist dazu, dass Arbeit effizienter als bisher ausgeführt werden konnte. Viele Neuerungen ließen uns immer größere Mengen natürlicher Ressourcen in immer mehr Produkte umwandeln. Die Stückkosten, also die Kosten pro Einheit eines Produkts, fielen. Aber eben selten auf Null. Und hier kommt die digitale Innovation den entscheidenden Schritt weiter. Viele Neuerungen der letzten Jahre lassen die Stückkosten – insbesondere im Vertrieb – auf praktisch Null sinken. Bei den oben erwähnten Beispielen – Musik, Foto, Journalismus – belassen wir im Kern immaterielle Produkte auch für den Vertrieb immateriell. Einmal hergestellt, lässt sich das Produkt unendlich oft ohne zusätzlichen Ressourcenverbrauch beliebig oft nutzen. Jede zusätzlich genutzte Einheit dieser Güter erfüllt weiterhin wie bisher ihren Zweck, ohne aber gleichzeitig auch jedes Mal die gemessene Wirtschaftsleistung als BIP-Steigerung zu erhöhen.

Für die Ökonomen alter Schule klingt das furchtbar. Angesichts der ökologischen Probleme, vor denen die Menschheit steht, ist das aber eine hervorragende Nachricht: Gleicher Spaß und besseres Klima.

Vom Schatten ins Licht – die Entfesselung der Ideen

In seinem Kommentar zum vorigen Blog-Eintrag bringt Martin auf den Punkt, worum es in diesem Blog geht.

Martin schreibt zunächst:

„Der ‚Wert’ von Wikipedia entsteht doch im Grunde daraus, dass Menschen in ihrer Freizeit etwas tun, was für die Gesellschaft insgesamt vorteilhaft ist, nämlich ihr Wissen niederschreiben. Wenn sich jemand in seiner Freizeit sozial engagiert, etwa bei der freiwilligen Feuerwehr oder in einer Beratungsstelle für Suchtkranke, wird vermutlich auch kein Wert geschaffen, der im BIP erfasst ist.“

Hinzu kommt noch der riesige Bereich häuslicher Arbeiten. Über dessen angemessene Anerkennung wird auch seit vielen Jahren diskutiert. Auch hier gilt das Paradoxon: Wenn jemand ein Familienmitglied pflegt, so schafft er damit keinen gemessenen Wert. Sobald die gleiche Dienstleistung familien-extern bei einem Pflegedienst eingekauft wird, entsteht ein „Wert“ im Sinne des BIP. Das gleiche gilt für Kindererziehung und alle ähnlich gelagerten, für das Funktionieren unserer Gesellschaft unverzichtbaren Leistungen.

Diese „Schattenleistungen“ werden von der Gesellschaft einfach erwartet und als selbstverständlich hingenommen. Sie haben sich seit Jahrhunderten eingespielt und sind sozusagen „eingepreist“. Wir würden sie sehr vermissen, wenn es sie nicht gäbe.

Bislang waren diese unentgeltlichen Leistungen auf einen eher lokal begrenzten Anwendungsbereich, also eine Familie oder ein Dorf bzw. einen Stadtteil beschränkt. Außerdem ging es fast immer um Tätigkeiten, die einen mehr oder weniger starken Bezug zur physischen Welt haben. Und das Wichtigste: Die meisten dieser Leistungen sind nicht skalierbar. Je mehr Nutzen man stiften will, desto mehr Arbeit muss man aufbringen, mit umso mehr Menschen muss man Zeit verbringen.

Durch die digitale Vernetzung der Welt haben wir es jetzt aber mit einer völlig neuen Dimension dieser unentgeltlichen, gemeinnützigen Leistungen zu tun.

Martin schreibt dazu weiter in seinem Kommentar:

„Der Unterschied bei Wikipedia ist, dass unglaublich viele Menschen sich beteiligen und dass der geschaffene Wert von der ganzen Welt dauerhaft genutzt werden kann.“

Und genau das ist es. Die Digitalisierung entfesselt ein bislang ungenutztes Potenzial an menschlicher Schaffenskraft. Natürlich nicht nur bei Wikipedia, sondern bei tausenden von neuen Anwendungen und Kommunikationsmöglichkeiten in der vernetzten Welt.

Dieses Potenzial ist so viel größer als alles, was bisher da war. Unser Handeln bekommt eine völlig neue Tragweite – eben auch im gemeinnützigen Bereich:

  • Überall, wo es heute um Ideen, um Wissen, um Kultur geht, sind nahezu alle physischen Beschränkungen der Verbreitung durch die Digitalisierung aufgehoben.
  • Der Wirkungsbereich unserer Handlungen wird durch diese Trennung vom Physischen von lokal auf weltweit vergrößert.
  • Bald können ALLE Menschen daran mitwirken, weil die Kapazität zu weltweiter (Massen-)Kommunikation nicht mehr in den Händen weniger Verleger oder TV-Sender liegt, sondern jedem mit einem Internet-Anschluss offen steht.
  • Die Menschen greifen diese neuen Möglichkeiten begeistert auf und nutzen sie überwiegend dazu, um global miteinander Probleme zu lösen, Spaß zu haben und sich auszutauschen, anstatt gegeneinander zu arbeiten.

Und warum wir dadurch alle sehr viel reicher werden, ohne dass im gleichen Maß woanders jemand ärmer wird, fasst folgendes Zitat von Thomas Jefferson aus dem Jahr 1813 (!) wunderbar – fast magisch – zusammen:

„He who receives an idea from me, receives instruction himself without lessening mine; as he who lights his candle at mine, receives light without darkening me.”

(Deutsch: „Wer eine Idee von mir empfängt, mehrt dadurch sein Wissen, ohne meines zu mindern, ebenso wie derjenige, der seine Kerze an meiner entzündet, dadurch Licht empfängt, ohne mich der Dunkelheit auszusetzen.“)

Je mehr Digitalisierung und Globalisierung den Austausch von Ideen, Wissen und Verständnis fördern, desto reicher werden wir alle.

Das Jefferson-Zitat ist mir aufgefallen in einem sehr sehenswerten Video-Vortrag von Alex Tabarrok über Ideen und Wirtschaftskrisen.